Denkfehler

Einer der Grundirrtümer menschlichen Denkens besteht darin zu glauben, das Gehirn sei komplexen Problemen gut gewachsen. Mit wissenschaftlich evaluierten Daten lässt sich jedoch vor allem eines belegen: Wir stolpern immer wieder über die gleichen Denkfallen. Das ist aber nicht so schlimm wie befürchtet.

Kognitionsforscher haben bislang rund 100 systemische Denkfehler ausgemacht, was bedeutet, dass wir gar nicht anders können als irren. Weit oben auf der Liste stehen die Gefühlsprognosen. Ob wir das Glück unserer Ehe oder unseren finanziellen Status in zehn Jahren einzuschätzen versuchen - wir liegen oft falsch, weil wir unter dem tiefen Eindruck von Gefühlen, dem Impact Bias, falsche Prognosen treffen. Das betrifft sowohl gute als auch schlechte Nachrichten und ist so stark ausgeprägt, dass es einen größeren Einfluss auf unsere Entscheidungen hat als Charakter oder Intellekt. Das wurde von Psychologen aus Kanada in Belgien experimentell nachgewiesen. Fazit der Forscher: Wir sollten Gefühle auch skeptisch betrachten, vor allem wenn sie die Grundlage für wichtige Entscheidungen bilden. Das beträfe freilich jede Hochzeit.

Der Gehirnaufbau selbst ist für Fehleinschätzungen verantwortlich. Es speichert unser Selbstbild im semantischen Speicher ab, simuliert jedoch künftige Geschehnisse mithilfe des episodischen Gedächtnisses. Beides ist schlecht miteinander verknüpft, was für fundierte Prognosen eine ungünstige Ausgangslage darstellt. Auch die Überbewertung persönlich gefärbter Geschichten gegenüber nüchternen Fakten ist für einen Gutteil von Denkirrtümern verantwortlich, ein Mechanismus, dessen sich Verkäufer seit jeher bedienen. Ein weiterer Fakt sind die Generalisierungen, die zwar helfen, die tägliche Informationsflut zu bewältigen, jedoch auch zu drastischen Fehleinschätzungen führen. Evolutionär ist das sehr alt, auch Primaten irren auf diese Weise, wie Experimente mit Affen belegten. Die Psychologen empfehlen daher, aus der Not eine Tugend zu machen. Das Error Management Training geht gerade vom Prinzip "Versuch und Irrtum" aus, reduziert die Angst vor Fehlern und erlaubt unbefangene neue Versuche.